10Nov
By: steher2133 An: 10. November 2016 In: Interview Comments: 2

INTERVIEW

Exterior Designer bei BMW München

Style und Effizienz – Hussein Al-Attar, Exterior Designer bei BMW München, versteht es diese beiden Dinge zu vereinen, wie es sonst kaum jemand tut. Er ist der Kopf hinter dem Smart Bike, dem wohl bekannten GT6 BMW Konzept Teasers, den neuen BMW Scheinwerfern und von dem ein oder anderen in naher Zukunft erscheinendem BMW, über die hier jedoch noch nicht gesprochen werden darf. Dennoch, sind wir mehr als froh, dass er uns heute ein Interview gibt. Habt Spaß beim Lesen – lasst euch inspirieren.

2 x 5 Fragen an Hussein

1. Hey Hussein, woher kommt deine Begeisterung für Autos und welches gefällt dir besonders?

Die Begeisterung war bereits im jüngsten Alter vorhanden. Wann es genau angefangen hat kann ich nicht sagen, aber die Quelle war sicherlich unser alter, 1976 gebauter Mercedes W115, den mein Vater fabrikneu gekauft hat. Dieses Auto war ein Familienmitglied sondergleichen, und der Tag, an dem wir es verkaufen mussten, war ein Trauertag. Meine Mutter kannte meinen Vater nur mit diesem Auto. Meine Brüder und ich hatten keine Vorstellung, wie man ein anderes Auto besitzen konnte. Die Geschichten, die mein Vater über diesen Wagen erzählt hatte, und die Präsenz, die er in unserem Leben hatte, war wohl der Antrieb für meine Kreativität in diesem Bereich und sicherlich die Quelle meiner Begeisterung mit dem Objekt Auto.
Und falls es noch nicht klar ist, die Antwort auf den zweiten Teil der Frage: Mercedes-Benz W115.

2. Viele Designbüros, Studenten und sogar Architekten orientieren sich für Ihre Projekte sehr oft an den aktuellen Designtrends in der Automobil-Szene. Warum glaubst du hat das Automobil seit je her eine so große Auswirkung auf dem Gestalter-Markt?

Lustigerweise orientieren sich Automobildesigner sehr oft an den Trends des Produktdesigns und der Architektur. Aber so funktioniert unsere Kreativität. Wir erlauben Einflüsse und lassen sie uns davon beflügeln. Und die besten Einflüsse, sie diejenigen die im direkten Vergleich selten etwas mit dem zu gestaltenden Objekt gemeinsam haben. So befreit man sich vom Mainstream der eigenen Szene und versucht damit mit einem möglichst originellen Ergebnis zu kommen.

Unter all den Produkten, die für einen Endverbraucher gestaltet werden, genießt das Auto, durch seine Komplexität und seinen Einfluss, eine Sonderstellung. Kaum ein anderes Objekt beeinflusst unsere Umgebungswahrnehmung so evident wie das Auto. Unsere Städte würden, ganz wertfrei gesagt, total anders aussehen, gäbe es das Auto nicht. Es ist ein dominantes Produkt, das uns umgibt, und sich zu einem Bestandteil unserer Umwelt entwickelt hat. Man kann etwas nicht ignorieren, das kaum wegzudenken ist.

3. Stell dir vor es würden von heute auf morgen keine Autos mehr gebaut werden. Was würdest du stattdessen gestalten wollen?

Die naheliegendste Antwort wäre natürlich, dass ich zu Produktdesign wechsle. Aber vielleicht würde ich die Situation lieber als eine Gelegenheit für einen Neustart sehen. Ich würde vielleicht Kurzfilme machen! Da steckt sehr viel Kreativität darin, die mich eventuell genauso erfüllen würde, wie meine aktuelle Profession. Und dass ich keine Autos mehr gestalten „darf“, heißt nicht dass ich keine Autos skizzieren kann

4. Wie wichtig ist ein breit gefächertes Skillset für einen Transportation Designer? Ist es wichtig konzeptionieren zu können, gut zu zeichnen, CAD Modellings in A-Class erstellen zu können UND noch eine gute Figur am Claymodel machen zu können? Oder spezialisiert man sich irgendwann automatisch auf einen Bereich?

Es ist sehr wichtig, alles einmal selbst gemacht zu haben. Allein um mit dem Material das Minimum an Vertrautheit zu erreichen und vor allem die Einschränkungen zu kennen.

Da das Auto ein sehr komplexes Produkt ist, muss man sich auf einen Prozess spezialisieren. Mein Prozess ist Konzeptfindung und Entwicklung. Das ist der Teil, bei dem ich sozusagen auf mich allein gestellt bin. Da ist es natürlich wichtig, gut zeichnen zu können. Sollte mein Entwurf für die Nächste Runde ausgewählt werden, ändert sich meine Rolle von einer ausführenden, zu einer betreuenden. Ich muss keine Modelle selbst bauen, sondern ein Team von Modelleuren (ob virtuell, oder physisch) begleiten, um meine Idee, die auf dem Papier entstand, zu einem qualifizierten Ergebnis zu bringen, und aus der Skizze ein dreidimensionales Objekt zu machen.

5. Wird sich das Elektroauto deiner Meinung nach durchsetzen?

Absolut.
Die Debatte, die zum aktuellen Einsatz der Automobilhersteller geführt hat, war zwar politisch betrieben, hat aber die Entwicklung des E-Autos vorangetrieben. Lange Zeit war die Entwicklung dieser Technologie, die so alt ist wie das Auto selbst, eingeschlafen. Und nun werden Gelder und Manpower in die Entwicklung gesteckt, um alternativen Antrieben ein neues Leben einzuhauchen. Es wird nicht mehr lang dauern, bis das Kollektiv „Automobilindustrie“ Lösungen für die aktuellen Probleme, z.B. die Reichweite, gefunden hat. Und dann wird man irgendwann wenige Gründe haben, sich für ein Auto mit Verbrennungsmotor zu entscheiden.

6. Wie wichtig ist es, deiner Meinung nach, heutzutage gut Freihand zeichnen zu können, ohne Photoshop und Co.?

Sehr wichtig! Es ist immer noch die schnellste Art und Weise, Ideen festzuhalten, wenn kein Computer in der Nähe ist. Und da wir als Kreative Menschen, nie aufhören, über unsere Arbeit nachzudenken, da wir ständig Einflüssen und Reizen ausgesetzt sind, hilft es manchmal ein kleines Notizbuch mitzuführen, um schnell Ideen zu dokumentieren. Eine schematische Skizze recht meistens, aber ein nur ein guter Zeichner, weiß wie man schnell und mit wenigen Strichen eine aussagekräftige Skizze anfertigt.

7. Welche Software nutzt du am liebsten und warum?

Ich benutze Photoshop. Und zwar aus reiner Gewohnheit. Gäbe es eine vergleichbare Software, mit der ich vor Jahren angefangen hätte, würde ich diese heute noch nutzen.

8. Wer inspirierte dich in deiner Studienzeit – hattest du ein Vorbild?

Das Kollektiv „Internet“. Wir leben in einer Zeit, in der wir grenzenlosen Zugang zu Inspirationsquellen genießen. Es entsteht eine Art Schwarmintelligenz, die kreiert und inspiriert. Dieses Kollektiv ist stärker und kreativer als jede einzelne Person. Natürlich wird dieser Schwarm auch von einzelnen Personen beeinflusst und teilweise sogar gelenkt, aber der Schwarm stoßt die schwächen ab und nimmt nur die Stärken seiner einzelnen Mitglieder an.

 9. MAC oder Windows?

Kein Unterschied. Reine Gewohnheitssache.

10. Hast du einen Tipp oder Rat für angehende Jung-Designer und Design Studenten?

Falls ihr denkt, dass ihr schlechter seid als der Rest, seid ihr wahrscheinlich besser als ihr denkt.
Falls ihr denkt, dass ihr besser seid als alle anderen, seid ihr es wahrscheinlich nicht.
Glaubt an euch selbst, bleibt aber bescheiden.
So jetzt habe ich all meine Phrasenmunition verschossen.

Vielen Dank Hussein, dass du deine Gedanken mit uns geteilt hast und danke für den Rat. Wir sind sicher, das wird vielen Leuten und angehenden Designern sehr weiter helfen.

Checkt Husseins Portfolio hier und besucht unbedingt seine inspirierenden Blogs after.eight und before.eight.

Bleibt unermüdlich,

Stefan Hermann

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