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By: steher2133 An: 24. August 2017 In: Artikel Comments: 0

„Schöne Papier-Skizzen kann jede Werbeagentur machen.“

Foto von: www.indeed-innovation.com

Wenn Karel J. Golta, Geschäftsführer von INDEED Innovation, anfängt, über den Wert echter Innovationen zu sprechen, ist man plötzlich hochgradig motiviert, etwas Großartiges für seine Mitmenschen und die Zukunft erschaffen zu wollen. Womit wir auch schon beim Dreh- und Angelpunkt von INDEED wären – Menschen und Zukunft. Denn laut eigener Firmenaussage ist die Zukunft zu wichtig, um sie allein Technokraten und Technologen zu überlassen.

Hintergrund-Information zum Interview

Dieser Interviewausschnitt mit Karel J. Golta ist Teil der Baselift-Interviewreihe mit der deutschen und internationalen Designelite. Mehr Informationen zur Interviewreihe findest du hier.

Die erste Sache, die man über INDEED wissen sollte?

INDEED ist kein Designbüro – das wäre auch viel zu kurz gegriffen. Auf meine Frage hin, ob der ganzheitliche Beratungsservice für innovative Produktentwicklungen eine Art Differenzierungsstrategie zu anderen Design-Büros ist, erklärt Karel Golta, dass das Leistungsspektrum von INDEED das logische Ergebnis seines Anspruches ist, wirklich echte Innovationen auf den Markt zu bringen. Design ist dabei lediglich ein Bestandteil des Gesamtprozesses.

Und wenn man sich anschaut, wie bei INDEED gearbeitet wird, bekommt man tatsächlich den Eindruck, dass da irgendwie mehr geht als in einem klassischen Design-Büro.

INDEED beschäftigt Ingenieure, die Hardware und Elektronik bauen und Programmierer, die komplette Software aufsetzen. Es gibt Designer, die entwerfen und konstruieren, und UX-Spezialisten, die komplette Dienstleistungen konzipieren. Weiter arbeiten bei INDEED auch Spezialisten für z. B. User-Research, Ethnografie und Designforschung. Alles zu Gunsten der Innovationsentwicklung.

„Bei uns geht es um Delivering. Einfach irgendwelche schönen Papier-Skizzen kann jede Werbeagentur machen. Ideen gibt es massig. Das ist auch nicht das Problem. Nur wenn man eine Idee tatsächlich umsetzen und auf die Straße bringen kann, hat sie überhaupt eine Chance, eine Innovation zu werden.“

KAREL, WAS VERSTEHT INDEED EIGENTLICH UNTER ECHTEN INNOVATIONEN?

 „Das Problem ist, dass der Begriff Innovation schon seit einigen Jahren sehr gehypt und mittlerweile fast überall angehängt wird, so dass er letzten Endes in den Topf der Beiläufigkeit und des reinen Marketings gefallen ist.“

Tatsächlich gibt es heute nur wenige Unternehmen, die ein neues Produkt nicht auch gleich als Innovation bezeichnen. Neu heißt nicht gleich innovativ. Diese Unklarheit in der Definition von „Innovation“ macht es besonders Designern und Produktentwicklern schwer herauszufinden, wonach Auftraggeber während des Entstehungsprozesses überhaupt suchen. Echte Innovationen bedürfen in der Regel mehr Aufwand, im Vergleich zu „nur“ neuen Produkten.

„Wir reden von echten Innovationen, wenn das entstehende Produkt wirklich etwas Neues, gemäß der eigentlichen Definition, offenbart oder mit dem Produkt ein neues Geschäftsmodell ermöglicht wird. Um das zu bewerkstelligen reicht es einfach nicht aus, das zu tun was die meisten Designagenturen tun – nämlich formalästhetische Designs zu entwickeln. Selbst wenn diese Preise erhalten, hat das nichts mit Innovation zu tun.
Eine tatsächliche Innovation wird es erst, wenn etwas Neues so umgesetzt wird, dass es auch wirtschaftlichen Erfolg hat.“

Nicht jedes Unternehmen ist zur Innovationsentwicklung geeignet. Denn gewisse Unternehmensstrukturen und festgefahrene Entwicklungsprozesse lassen eine zielgerichtete Entwicklung von Innovationen oft nicht zu.

„Z. B. könnte BMW, selbst wenn das Unternehmen wollte, nicht so wie Tesla arbeiten und derartige Innovationen entwickeln. Dafür haben die gar nicht die richtige Vertriebsstruktur und die passende Mentalität. Die beiden Firmen denken völlig unterschiedlich und nutzen dementsprechend Ihre Ressourcen und Unternehmensstrukturen völlig unterschiedlich.
Das sind Dinge, die viele Kunden nicht wissen und bei denen wir sie beraten. Dafür muss man eben, anders als die meisten Agenturen, systemischer vorgehen.“

 WÜRDEST DU DESIGN-DIENSTLEISTERN ALSO EMPFEHLEN, EINE KOMPLETTLÖSUNG ANZUBIETEN?

„Es geht nicht darum, alles anbieten zu können. Das kann niemand. Aber um ein wirklich innovatives Produkt auf den Markt zu bringen, braucht man nicht nur ein gutes R&D (Research & Development), nicht nur ein gutes Design, sondern man muss weiter denken, bis hin zu Vertriebsstruktur, Plattforming, usw. Und natürlich können wir dabei nicht alles selbst anbieten. Was wir aber können, ist, unseren Kunden genau sagen: ‚Wenn du das nur in der R&D machst, wenn du nur ein neues Design oder eine neue Marketingstrategie entwickelst, wird das ziemlich sicher kein Erfolg werden.’ Wenn man wirklich vor hat, etwas Neues anzustoßen, dann bedeutet das, auf allen Ebenen anders denken zu müssen. Dann zieht sich das überall hindurch.“

 WAS HAT SICH IM DESIGN UND IN DER PRODUKTENTWICKLUNG SEIT DEINEN ANFÄNGEN GEÄNDERT?

„Design ist ein Wirtschaftsfaktor geworden. Es hat eine Expansion in andere Unternehmensbereiche und Wirtschafszweige erfahren, die es in diesem Ausmaß vorher nie gab.
Es wurden noch nie so viele Designer gebraucht wie heute. Und ich glaube, das war sogar erst der Anfang. Wenn Design Thinking erstmal die Welle bis hin zum Mittelstand geschlagen hat, wird jedes Unternehmen jemanden brauchen, der mit Design umgehen kann.“

Seit einiger Zeit ist Design Thinking in aller Munde und sorgte dafür, dass Design und dessen Mehrwert große Popularität erfahren. Aber tatsächlich ist Design Thinking keine wirklich neue Sache, sondern der Kern/die Ur-Methodik des Designers – Analyse, Schlussfolgerung, Prototyp, Analyse und irgendwann der Abschluss.

„Immer erst die richtigen Fragen stellen. Nicht einfach Antworten raushauen.“

Nichtsdestotrotz ist die Benennung und Aufschlüsselung der Design Thinking-Methode ein Segen für die Produktentwicklungsbranche. Denn nie war das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Design in verschiedensten Einsatzbereichen größer. Es gilt nur darauf zu achten, dass Design kein Allgemeingut von Pseudo-Spezialisten wird, die auf Basis von gefährlichem, in Kurzseminaren gesammeltem Halbwissen große Schäden in den Unternehmen anrichten.

 „Es ist wichtig, Design als Wertegestaltung zu sehen und nicht als Objektgestaltung. Und Werte gibt es in ganz vielen Bereichen, z. B. auch in der Mitarbeiterführung. Eigentlich überall da, wo man etwas verändern kann, spielen Werte und somit auch Design eine Rolle.“

 APROPOS WERTE. KOMMT ES AUCH SCHON MAL VOR, DASS SICH DIE VORSTELLUNG EURER KUNDEN NICHT MIT EURER DECKT? SO DASS PROJEKTE NICHT STATTFINDEN KÖNNEN?

„Oft stellen wir unseren Kunden die Frage, was denn ihr eigentliches Ziel ist. Ob sie z. B. mehr verkaufen wollen oder einfach zu einem höheren Preis. Erst wenn wir das Ziel unserer Kunden wirklich verstanden haben, können wir anfangen, unseren Kunden anzuraten, etwas zu tun.

So kommt es auch zur der Situation, dass wir sagen müssen; >>Tut uns leid. Wir glauben nicht, dass wir Ihnen da helfen können. Denn wenn Sie das wollen, müssen Sie schauen, dass Sie sich vertrieblich besser aufstellen. Weil Sie bereits ein ziemlich gutes Produkt haben, welches nicht neu gemacht werden muss.<<

Immer erst die richtige Frage stellen. Nicht einfach Antworten raushauen.“

Das Weitergeben von Wissen ist für Karel Golta und sein Unternehmen ein Selbstverständnis. Nur so entstehe Fortschritt. Foto: Stefan Hermann

 WIE LAUTET DEIN RAT AN DIEJENIGEN, DIE EINMAL IN EINER FIRMA WIE DEINER ARBEITEN WOLLEN? WIE KÖNNEN SIE SICH DARAUF VORBEREITEN?

„Ich glaube, man muss darauf achten, auch ein paar Spitzen zu haben und irgendwo herauszustechen. Man muss in seiner Arbeit oder auch in seinem Portfolio aufzeigen können, dass man etwas wirklich durchgearbeitet hat. Man muss wirklich Leidenschaft daran erkennen. Und was immer es auch ist, es muss ein „Wow“ hervorbringen. >>Was? 7000 Leute hast du befragt? Was? Das hast du alles selber gemacht?<< Es geht darum jemanden wirklich zu beeindrucken.“

An dieser Stelle möchte ich Karel Golta vielmals für das Interview und die Hilfe bedanken. Allen Lesern möchte ich versprechen, dass im aktuell entstehenden Buch noch eine Menge weiterer Input von Karel und INDEED zu finden sein wird. Zum Beispiel wie er sein persönliches Erfolgsteam aufbaut. Ich hoffe, dieser Ausschnitt hat euch gefallen. Checkt auf jeden Fall die Homepage von INDEED Innovation

Was würdet ihr gerne noch von der Design-Elite erfahren?

Habt ihr Fragen über Teambuilding, Selbstständigkeit, Weiterbildung für Designer, Design-Management, Akquise oder Agentur-Branding? Interessiert euch, was man verdienen oder als Designer alles bewirken kann? Was auch immer euch in Sachen Design, Produktentwicklung und Weiterbildung interessiert – lasst es uns gerne wissen.

In diesem Sinne, bleibt unermüdlich.

Stefan Hermann

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