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By: steher2133 An: 24. August 2017 In: Artikel Comments: 0

AUF UMWEGEN ZUM EIGENEN DESIGNSTUDIO

Andreas Kurbos, Geschäftsführer des Designstudios studiokurbos, hält nicht viel von Karriereplänen – und wenn man sich seinen Werdegang so ansieht, versteht man auch warum. Erfahre mehr über Andreas Weg vom Praktikanten zum Geschäftsführer, was er über Akquise und Referenzen denkt, worauf aufstrebende (Automobil)Designer bei Ihren Bewerbungen achten sollten und noch einiges mehr.

Hintergrund-Information zum Interview

Dieser Interviewausschnitt mit Andreas Kurbos ist Teil der Baselift-Interviewreihe mit der deutschen und internationalen Designelite. Mehr Informationen zur Interviewreihe findest du hier.

Vom Praktikanten zum Studio-Chef

Mehr oder weniger zufällig, stolperte er als junger Mann, ganz ohne vorhergehendes Designstudium, in die Designabteilung von smart, indem er den damals zufällig getroffenen Designchef von seinem Talent überzeugte. Als damaliger Praktikant schaffte er es dort schnell erste Erfolge zu feiern.

Davon motiviert und mit der Unterstützung von smart, studierte er Transportation Design in Turin, welches er aber aufgrund von dringlicher Auftragsauflage seines Arbeitgebers schneller beenden musste als geplant. Sein Diplom hat er dennoch.

Kurz danach folgte völlig unerwartet die Schließung der Designabteilung von smart, was für Andreas Kurbos einen spontanen Wechsel zu MBtech Group zur Folge hatte. Dort arbeitete er sich über mehrere Projekte hinweg zum Teamleiter hoch, bis er noch etwas später zu Silberform wechselte, um eine neue Abteilung aufzubauen – ergo, er wurde Bereichsleiter.

2013 wagte Andreas den Schritt in die Selbstständigkeit. Geplant hat er das alles nicht – gemeistert aber schon! Seit dem ist studiokurbos eines der wenigen deutschen Designstudios, das sich erfolgreich auf Automobildesign spezialisieren konnte. Verortet im Herzen Stuttgarts, arbeitet das 25-köpfige Team an so ziemlich allem was auf den Straßen fährt. Woran jedoch genau, bleibt bewusst streng geheim.

ANDREAS, WAS HAT DICH BEWOGEN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT ANZUTRETEN UND WARUM GLAUBTEST DU, DASS DIES DER RICHTIGE SCHRITT FÜR DICH SEI?

„Es war genau der richtige Zeitpunkt für mich. Ich musste zuerst all die Dinge durchmachen, die ich erlebt habe und lernen mich durchzubeißen. Mit dem daraus gesammelten Wissen habe ich studiokurbos gegründet.
Nach meinen jahrelangen Erfahrungen als Führungskraft in der süddeutschen Automobilindustrie hatte ich mich persönlich und führungstechnisch extrem weiterentwickelt. Ich war bereit. Jeder Tag zu früh, wäre fatal gewesen.

Ich wusste damals, wenn ich den ersten Schritt wage, muss ich den zweiten gehen. Mir war bewusst: Wenn ich mich bewerbe und keinen Job bekomme, mich dann aber selbstständig mache, heißt das so viel wie „Schau, der Kurbos hat keinen Job bekommen, darum ist er jetzt selbstständig.“ Spätestens da war mir klar ich, was es tatsächlich bedeuten würde den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Wenn ich eine GmbH gründe, muss ich es zu 100% durchziehen – ganz oder gar nicht. Man macht keine GmbH auf, um sie gleich wieder zu schließen. Also blieb ich stehen und überlegte mir genau, welchen Schritt ich als nächstes machen werde. Das tue ich bis heute.“

Auf meine Frage hin, ob Andreas schon immer vor hatte Karriere zu machen, erklärte er mir, dass sein Aufstieg auf der Karriereleiter lediglich das Resultat seines Designerfolgs war. Sein Anspruch an Qualität und sein Verständnis für gutes Design brachten ihm und seinen ehemaligen Arbeitgebern einige Erfolge ein, wodurch ihm im Gegenzug mehr Projekt- und Team-Verantwortung übertragen wurde. Er musste sich also schon recht früh die Frage stellen, wie er ein Team strukturiert und motiviert, damit dieses am Ende das beste Designergebnis entstehen lassen kann. Als Resultat daraus, folgten dann noch größere Projekt-Verantwortung und noch größere Teams.

„Und „zack“ war ich Führungskraft. Man muss sich jedoch bewusst sein, das Erfolg auch harte unternehmerische Arbeit ist: Jedes Business dreht sich am Ende um Aufträge. Ohne Aufträge, kein Business. So ist es nun mal. Ein erfolgreiches Unternehmen braucht eine sogenannte „Rampensau“ im Vertrieb, einer der vertrieblich stets aktiv ist, dem es unendlich Spaß macht mit Menschen in Kontakt zu kommen und das Unternehmen mit Leidenschaft (re)präsentiert. Diese Person bin ich glücklicherweise selbst. Den Rest macht mein Team. Dafür bin ich unendlich dankbar.“

STICHWORT: AKQUISE UND BEWERBUNG
WORAUF SOLLTEN DESIGNER ACHTEN, DIE SICH ALS BEWERBER ODER SELBSTSTÄNDIGE BEI EINEM POTENTIELLEN AUFTRAGGEBER VORSTELLEN?

„Ich werfe da jetzt Akquise und Bewerbung mal in einen Topf, denn beides verhält sich relativ ähnlich. Es handelt sich in beiden Fällen, um die berufliche Vorstellung eines Menschen. Die ersten Fragen, die sich jeder Designer stellen sollte sind: Wer bin ich? Wofür stehe ich? Was biete ich an und warum braucht der Markt gerade meine Leistungen? Der nächste Schritt ist, sich selbst zu fragen: Wie mache ich mich selbst interessant und was bringe ich mit, was der Betreffende gerade gebrauchen könnte? Vielleicht hat der Betreffende noch gar nicht verstanden, dass er meine Leistung bald brauchen wird, sodass ich ihn erst darauf aufmerksam machen muss. Kenne dich selbst und deine Fähigkeiten! Das ist das Wichtigste.“

WIE STRUKTURIERT SICH DER PROJEKTABLAUF UND DIE KOMMUNIKATION MIT EUREN AUFTRAGGEBERN? WER IST FÜR WAS VERANTWORTLICH UND WARUM?

„Bei studiokurbos haben unsere Kunden einen persönlichen Ansprechpartner – vom ersten Vertriebskontakt bis zur Fertigstellung des Projekts. Was ich persönlich nicht mag, sind Quer-Kontakte zum Kunden, sodass er mal mit ihm, mal mit ihr, mal mit jenem und mit welchem spricht. Hier heißt es „One Face to Customer. Dies hat auch etwas mit „Macht als Designer ausüben“ zu tun. Erfolgreiches Design entsteht im stetigen Austausch zwischen Kunde und unseren Designverantwortlichen.

Auch unsere Designer verstehen schnell, dass es in ihrer Arbeit nicht allein um eigene Designambitionen geht. Das Design muss die Designsprache des Unternehmens vertreten, somit auch meine. Doch auch wenn der Name des Studios den Namen des Gründers trägt, möchte ich nicht als alleiniger Schöpfer der Arbeitsergebnisse wahrgenommen werden. Gutes, kann nur in Zusammenarbeit entstehen.“

WESHALB SIND AUF EURER HOMEPAGE KAUM REFERENZEN ZU FINDEN? (WIE) MACHT IHR FÜR EUCH SELBST WERBUNG?

„Keiner kommt zu uns, damit er auf unserer Webseite als Referenz landet. Das ist nicht das Ziel eines Projektes. Als Designstudio arbeiten wir für viele Unternehmen im Herzen ihrer Entwicklung. Werte wie Zuverlässigkeit und Diskretion sind dabei grundlegende Bestandteile unserer Unternehmensphilosophie. Unsere Kunden wissen was wir können und vertrauen uns zu 100%.

Projekte werden ausschließlich in persönlichen Präsentationen gezeigt. studiokurbos versucht sich auf diese Weise anders zu positionieren und bewusst zu differenzieren. Unsere Kunden schätzen das.“

WORAUF SOLLTEN STUDENTEN UND JUNGE TRANSPORTATION DESIGNER ACHTEN? HAST DU EINEN TIPP?

„Viele Transportation Designer kennen ihren eigenen Stil nicht. Sie haben oft den Zwang, Skizzen so wie ihre Vorbilder zu machen. Im Design ist Experimentieren extrem wichtig. Geh’ los, experimentiere und komme wieder. Exterieur Design ist die Champions-League, das will jeder machen, das ist ganz klar. Aber am Ende möchte man ja auch einen guten Job haben. Daher verstehe ich es nicht, wenn viele Transportation Designer das Interieur komplett ignorieren. Dort rockt die Musik – vor allem in Zukunft. Mach’ Produktdesign, mach’ Uhren, mach’ Smartphones, mach’ Kameras. Sei vielfältig, probier’ dich in den unterschiedlichsten Bereichen aus und setze dich mit deinem Umfeld und der Gesellschaft auseinander.“

Wie man sieht, muss man keinen Masterplan haben. Man muss diesen auch nicht strikt verfolgen, um Erfolg zu haben. Es geht vielmehr darum, einen Anspruch an sich und an die eigene Arbeit zu entwickeln, dem man auch bei sich verändernden Umständen treu bleibt. Baue auf deine Fähigkeiten und baue diese weiter aus – mit jeder neuen Aufgabe.

An dieser Stelle möchte ich mich vielmals bei Andreas und seinem Team für das Interview und die Hilfe bedanken. Ich wünsche euch weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

Checkt auf jeden Fall die Homepage von studiokurbos (www.kurbos.com) oder schaut auf der Facebook-Seite vorbei (www.facebook.com/studiokurbos).

Was würdet ihr gerne noch von der Design-Elite erfahren?

Habt ihr Fragen über Teambuilding, Selbstständigkeit, Weiterbildung für Designer, Design-Management, Akquise oder Agentur-Branding? Interessiert euch was man verdienen oder als Designer alles bewirken kann? Was auch immer euch in Sachen Design, Produktentwicklung und Weiterbildung interessiert – lasst es uns gerne wissen.

In diesem Sinne, bleibt unermüdlich.

Stefan Hermann

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